| Editorial von
Herbert Goetze aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 1 2002
Liebe Leserin und lieber Leser der Heilpädagogischen
Forschung,
in den vergangenen Jahren hatten wir vielfach das Zurückfahren
von Ressourcen im Bereich der Sonderpädagogik zu beklagen. Wenigstens
in einem Punkte scheinen sich derzeit positive Veränderungen anzudeuten:
In größerer Zahl werden derzeit an den wissenschaftlichen Hochschulen
Positionen im Bereich der Sonderpädagogik ausgeschrieben. Damit
deuten sich zwei Tendenzen an: Auch im akademischen Bereich findet
ein Generationswechsel statt; die Kolleginnen und Kollegen, die
in den 60iger und 70iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zuerst
Assistenten-, später Rats- und anschließend Professorenstellen bekleideten,
begeben sich allmählich in den wohlverdienten Ruhestand. Die auf
diese Weise freiwerdenden Positionen kommen glücklicherweise zum
größten Teil zur Wiederbesetzung. Wer sich auf eine Professorenstelle
bewirbt, sollte im Bereich der Sonderpädagogik eine Habilitation
bzw. habilitationsadäquate Leistungen aufweisen. Dass es mit dieser
Eingangsbedingung mitunter Schwierigkeiten gibt, ist den Berufungsausschüssen
wohlbekannt. Den Bewerberinnen und Bewerbern um eine Professur möchte
ich als Herausgeber dieser Zeitschrift sagen, dass eine Bewerbung
dann größere Erfolgsaussichten hat, wenn die betreffende Person
als Autorin bzw. Autor eines Forschungsbeitrages, z.B. in der Heilpädagogischen
Forschung, hervorgetreten ist. Für Berufungsausschüsse halten wir
zudem einen Service bereit: In unserem Internetangebot findet sich
ein Autorenregister, das fast 7 Jahre zurückreicht. Es lässt sich
also mit Leichtigkeit feststellen, ob bzw. mit welchen Titeln eine
Bewerberin bzw. ein Bewerber bereits in der Heilpädagogischen Forschung
publiziert hat.
Von zwei Neuerungen, die diese Zeitschrift betreffen, ist an dieser
Stelle zu berichten. Zuerst eine positive: Mit diesem Heft führen
wie eine neue Leseerleichterung ein: ein Glossar. Sie werden diese
Kategorie Glossar von nun ab in jedem Heft finden; das Glossar repräsentiert
wichtige Fachtermini, die in den Forschungsbeiträgen verwendet worden
sind. Die betreffenden Ausführungen entstammen in aller Regel der
Feder der jeweiligen Autoren. Neben der Hochschuldidaktischen Seite
hoffen wir mit der Einführung dieser neuen Kategorie Glossar weitere
Leseinteressen zu wecken. Damit könnten die Forschungsbeiträge,
die in der Heilpädagogischen Forschung abgedruckt sind, zunehmend
Eingang in die Seminararbeit finden.
Die zweite Neuerung betrifft die Preisgestaltung der Heilpädagogischen
Forschung. Wie sie wissen, muss die Heilpädagogische Forschung aus
Ihren Geldern finanziert werden; in der Bundesrepublik hat sich
auf Nachfragen hin keine forschungsfördernde Institution bereit
gefunden, einen einmaligen bzw. dauerhaften Druckkostenzuschuss
zu gewähren. Die größte forschungsfördernde Institution der Bundesrepublik
hat sich z.B. ein Jahr Zeit genommen, um mit nicht zutreffenden
Begründungen zu einer Ablehnung unseres Antrages zu finden. Die
Konsequenz solcher förderungsfeindlicher Tendenzen ist, dass die
Heilpädagogische Forschung sich aus sich selbst heraus, d.h. mit
Hilfe der Abonnenteneinnahmen, zu finanzieren hat. Diese Selbstfinanzierung
ist in den vergangenen Jahren auf einigermaßen ausgeglichene Weise
auch gelungen. Es hat bisher keine Preiserhöhung stattgefunden,
obwohl Papier- und Portokosten von Zeit zu Zeit erhöht worden sind.
In meiner Eigenschaft als Herausgeber und unternehmerischer Leiter
dieser Zeitschrift bitte ich Sie deshalb um Verständnis dafür, dass
wir diese Kosten in geringem Umfang weiterreichen müssen. Das reguläre
Jahresabonnement kostet vom Jahr 2002 an 56,- €; die Vergünstigungen
für Zielgruppen (z.B. Studierende) bleiben in vollem Umfang erhalten.
Sie werden dafür auch in Zukunft mit einem hochwertigen Angebot
an Forschungsbeiträgen und weiteren Serviceleistungen bedient werden.
Auch wird sich der Heftumfang nicht unerheblich erhöhen.
In diesem Heft finden Sie wiederum ausgezeichnete Forschungsbeiträge
von ausgewiesenen Fachleuten. An erster Stelle berichtet Günter
Faber über eine eigene empirische Untersuchung zum subjektiven Kompetenz-
und Kontrollerleben rechtschreibschwacher Grundschulkinder. Erfolg
im Diktat wird von rechtschreibschwachen Schülern, die zugleich
ein erhöhtes Ausmaß an rechtschreibspezifischer Hilflosigkeit von
sich berichten, weniger auf eigene Fähigkeit und stärker auf günstige
Zufallseinflüsse zurückgeführt. Der dann folgende Beitrag zur schulischen
und sozialen Situation von Kindern mit Prader-Willi-Syndrom von
Klaus Sarimski trägt dazu bei, Lücken im Wissen um dieses Syndrom
schließen zu helfen. In einem weiteren Forschungsbeitrag geht Wolfgang
Sonntag der Frage nach, ob ein Training des induktiven Denkens das
Lösen mathematischer Textaufgaben fördert. Dazu berichtet er über
drei Kontrollgruppenversuche, die an natürlichen Lernorten der Schule
durchgeführt worden sind. Außerdem findet sich in diesem Heft der
Heilpädagogischen Forschung einen ausführlicher Bericht von Jürgen
Walter, in welchem über differenzielle Effekte des Trainings des
phonologischen Wissens auf das Lesen- und Schreibenlernen auf der
Basis einer amerikanischen Metaanalyse berichtet wird.
Wir freuen uns auf Ihr Leseinteresse!
Ihr Herbert Goetze
|