Heilpädagogische Forschung

 
Der Einfluss pränataler Diagnostik und selektiven Fetozids auf die Inzidenz von Menschen mit angeborener Behinderung.
aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 4 2003
von Wolfgang Lenhard

Untersucht wird der Zusammenhang zwischen pränataldiagnostischen Untersuchungen und der Inzidenz von Kindern mit angeborenen Behinderungen. In den letzten 15 Jahren stieg die Anzahl vorgeburtlicher Untersuchungen stark an. Etwa 10% der Schwangeren durchlaufen invasive Diagnostika. Die gesamte Erkennungsrate für Föten mit Trisomie 21 liegt bei ca. 72%. Eine metaanalytische Auswertung von 20 Studien zeigte, dass 90% der Frauen im Falle eines positiven Trisomie 21-Befundes die Schwangerschaft beenden, was verglichen mit anderen Behinderungsformen die höchste Abbruchrate darstellt. Die Daten deuten auf eine Zunahme selektiven Aborts hin. Mittelfristig wird die Weiterentwicklung pränataler Untersuchungen, deren steigende Akzeptanz und die hohe Abortrate die Zusammensetzung der Schülerschaft an Förderschulen deutlich verändern. Im Vergleich zum Beginn der 70er Jahre hat sich der Anteil von Kindern mit Down-Syndrom bereits etwa halbiert.

Schlüsselwörter: selektiver Schwangerschaftsabbruch, Down-Syndrom, Anenzephalie, Spina Bifida, Klinefelter-Syndrom, Turner-Syndrom, Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte, Pränataldiagnostik, Prävalenz, Inzidenz

The impact of prenatal diagnosis and selective abortion on the prevalence of persons with congenital handicaps.

The relation between prenatal testing and the incidence of congenitally handicapped children is examined. During the last 15 years, the use of prenatal investigations increased noticeably. Today about 10% of the pregnant women are tested with invasive diagnostics and about 70% of foetuses with trisomy 21 are detected. A metaanalysis over 20 studies revealed an abortion rate of about 90% in case of positive trisomy 21 test results. Compared with other forms of congenital handicaps, this is the highest selective termination rate. The data point towards an increase of selective abortion. Advances in prenatal testing, growing acceptance and high termination rates will alter the incidence of different forms of handicaps in special schools. Compared with the beginning of the 70's, the portion of children with Down syndrome in these schools has already halved.

Keywords: selective abortion, therapeutic termination, Down syndrome, Klinefelter syndrome, spina bifida, anencephaly, Turner syndrome, cleft-lip-palate, prenatal diagnosis, prevalence, incidence

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aktualisiert am 26.01.2004