Heilpädagogische Forschung

 
Unterstützte Kommunikation bei selbstverletzendem Verhalten aus Mitarbeitersicht – eine Erhebung in Wohneinrichtungen der Behindertenhilfe
aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 2 2006
von Pia Bienstein und Susanne Nußbeck

Kommunikation ist für die menschliche Existenz fundamental. Sie umfasst sowohl die Ausbildung expressiver Lautsprache als auch non-verbale, körpereigene Kommunikationsformen. Menschen mit einer so genannten geistigen Behinderung bilden häufig keine Lautsprache aus. Das kann wiederum die Entwicklung von Verhaltensauffälligkeiten wie selbstverletzendes Verhalten (SVV) begünstigen. In zahlreichen Untersuchungen wird auf die kommunikative Funktion selbstverletzenden Verhaltens hingewiesen. SVV kann deutlich reduziert bzw. ersetzt werden, wenn es möglich ist, ein alternatives Kommunikationssystem zu etablieren. Im Rahmen einer Bestandsaufnahme in Nordrhein-westfälischen Wohneinrichtungen der Behindertenhilfe trafen 156 Mitarbeiter Aussagen über 1582 Bewohner. Es zeigte sich, dass 43,2% (683) der Bewohner keine Lautsprache entwickelt hatten, wobei dies auf 71,4% der Bewohner mit SVV zutraf. Alternative Kommunikationshilfen wurden lediglich von 23,3% der Bewohner mit SVV verwendet. Die Kommunikationsförderung wirkte sich nach Einschätzung der Mitarbeiter positiv auf das Gesamtbefinden aus und führte zu einem signifikanten Rückgang des selbstverletzenden Verhaltens.

Schlüsselwörter: Selbstverletzendes Verhalten, Kommunikationsförderung, Unterstützte Kommunikation, Wohneinrichtungen

Alternative and Augmentative Communication in persons with self-injurious behavior from employees' perspective – survey in large developmental facilities.

Communication is a fundamental fact of human existence. It involves the development of expressive speech and non-verbal, physical communication skills. Persons with mental retardation are more often affected not to produce speech, which can trigger the development of behavior problems like self injurious behavior (SIB). Many studies show the relevance of communicative function for SIB. Further research point out that SIB can be significantly reduced or replaced if an alternative communication system can be established. Within the survey in large facilities for people with disabilities in North- rhine-Westfalia, Germany, 156 employees gave information about 1582 residents. The results point out that 43.2% (683) of the residents have not developed speech, whereas this is the case for 71.4% persons with SIB. Alternative communication devices were used by only 23.3% of residents with SIB. According the employees' estimation the communication advancement positively affected the overall condition and resulted in a significant reduction in SIB.

Keywords: Self injurious behavior, communication training, augmentative communication, facilities for people with disabilities

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aktualisiert am 06.07.2006