Heilpädagogische Forschung

 
Die Bezugsnormwahl bei der Bewertung schulischer Leistungen durch angehende Lehrkräfte des Förderschwerpunktes Lernen
aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 3 2009
von Jürgen Wilbert und Heike Gerdes

 

Leistungsbeurteilungen haben einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung von Lern- und Leistungsmotivation und dadurch auf schulische Leistung. Insbesondere die Wahl der Bezugsnorm ist hierbei bedeutend: Soziale Vergleiche wirken sich dabei ungünstiger auf die Motivationsentwicklung aus, während individuelle Vergleiche positive Entwicklungen nach sich ziehen können. Diese Zusammenhänge sind bei lernschwachen Kindern, die häufig über ungünstige Begabungs- und Fähigkeitsselbstkonzepte verfügen, besonders kritisch. Die vorliegende Untersuchung geht der Frage nach, welche Bezugsnormen angehende Lehrer des Förderschwerpunktes Lernens bei der Beurteilung von Schülerleistungen einsetzen, und inwiefern sie diese nach Beurteilungszielen und Leistungsniveau der Schüler differenziert anwenden.

Dazu wurden bei 288 angehenden Lehrkräften unter zwei Bedingungen unterschiedliche Bewertungsziele (Leistungsangleich vs. individuelle Förderung) induziert und anschließend das Ausmaß der Anwendung sozialer und individueller Bezugsnormen bei Schülern unterschiedlichen Leistungsniveaus per Fragebogen erfasst. Eine Kontrollgruppe erhielt keine Vorgabe von Bewertungszielen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Anwendung der Bezugsnormen in Abhängigkeit der Bewertungsziele variieren. Ebenso finden wir eine geringfügig häufigere Anwendung individueller Bezugsnormen bei der Bewertung leistungsschwacher Schüler.

Insgesamt zeigt sich aber, dass die soziale Bezugsnorm den mit Abstand bedeutendsten Teil der Urteilsvarianz aufklärt und der Einfluss der individuellen Bezugsnorm praktisch zu vernachlässigen ist.

Schlüsselwörter: Bezugsnormorientierung, Sonderpädagogik-Studenten, Leistungsbewertung, lernbehindert

 

The choice of reference norm when appraising students’ achievement of prospective teachers for students with learning disabilities.

The development of students’ achievement motivation is broadly influenced by the type of reference norm teachers use for their feedback, that is, whether the achievement is compared with students’ former achievements (intra-individual norm of reference) or to other students’ achievements (social norm of reference). This is especially true for slow learning students who often show a negative self concept of ability and aptitude. In this, norms of reference were investigated prospective teachers for students with special needs apply.

An experiment was conducted with a total of 288 participants. Under two experimental conditions different assessment goals were induced (remediation vs. adjustment of achievement differences within a class), whereas in a control condition no specific goal was induced. Participants had to appraise the achievements of students of different levels of performance. Results reveal that assessment goals slightly but significantly influence the choice of a specific norm of reference: a remediation goal was associated with an intra-individual comparison and achievement adjustment was associated with a social comparison. Moreover, an individual norm of reference was more often used for slow learners.

Despite these results, the overall use of the intra-individual norm of reference is extraneous while social comparisons accounted for most of the variance in participants’ judgements.

Keywords: Reference norm orientation, special-education teacher trainees, appraisal of achievement, slow learners.

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aktualisiert am 22.08.2009