Heilpädagogische Forschung

 
Sind Lehrer gute Lese-Rechtschreibdiagnostiker? Der Einfluss von problematischem Schülerverhalten auf die Einschätzungen der Lesekompetenz durch Lehrkräfte
aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 3 2009
von Alfred Schabmann und Barbara Maria Schmidt

 

In der vorliegenden Studie wird der Einfluss eines breiten Spektrums an problematischem Verhalten im Unterricht auf die Einschätzung der Lesekompetenz durch die Lehrkräfte analysiert. Klassenlehrer an österreichischen Grundschulen wurden gebeten, jeden ihrer Schüler hinsichtlich des Auftretens folgender Verhaltensweisen am Beginn des 1. Schuljahres und drei Monate nach Schulbeginn einzuschätzen: Hyperaktivität, oppositionelles und störendes Verhalten, Aggression, sozialer Rückzug/Ängstlichkeit, Depressivität und Viktimisierung. Zusätzlich wurden Einschätzungen der Lese- und Rechtschreibkompetenz zu jedem Schüler erbeten. Die Leistungen im Lesen wurden zu Beginn und am Ende der ersten Klasse, sowie am Ende der zweiten und vierten Klasse erfasst. Insgesamt lagen Daten von 293 Schülern vor. Es zeigte sich, dass die Einschätzungen der Lese- und Rechtschreibkompetenz zu Beginn der ersten Klasse nur gering mit den Testleistungen zusammenhängen und in mindestens ebenso hohem Ausmaß vom Verhalten der Schüler abhängen, wobei primär externalisierende Verhaltensweisen und Hyperaktivität von Bedeutung sind. Aus den Einschätzungen der frühen Leistungen im Rechtschreiben, nicht aber im Lesen, können spätere Leseleistungen in geringem Ausmaß vorhergesagt werden. Das Geschlecht der Schüler moderiert den Einfluss des Verhaltens auf die Lehrereinschätzungen nur geringfügig.

Schlüsselwörter: Depression, Hyperaktivität, soziale Zurückgezogenheit, Aggression, oppositionelles Verhalten, Viktimisierung, Lehrereinschätzungen, Lese-Rechtschreibentwicklung.

 

Are teachers able to assess students’ literacy competencies correctly? An investigation of challenging student behavior on teachers’ judgements on students’ literacy.

In this study, the influence of a broad spectrum of problematic classroom behaviors on the judgements of teachers concerning their students’ reading and spelling abilities was analyzed. Teachers in primary schools in Austria were asked to rate their students’ (N = 293) behavior on the following dimensions in grade 1, three month after the beginning of school (November): depression, hyperactivity, social withdrawal, aggression, oppositional defiant behavior, and victimization. Additionally, judgements about reading and spelling achievement were given by the teachers. Reading was tested in November and June of grade 1 and at the end of grade 2 and 4. It could be shown that there was only a low correlation between teacher judgements and test scores, the latter also being determined by externalizing classroom behavior and hyperactivity. The predictive strength of teacher judgements was low, whereas judgements concerning spelling were a better predictor than judgements concerning reading. Only minor moderating effects of the students’ gender on the behavior-judgement relationship were found.

Keywords: depression, hyperactivity, social withdrawal, aggression, oppositional defiant disorder, victimization, teacher judgements, reading and spelling achievementy.

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aktualisiert am 22.08.2009