Heilpädagogische Forschung

 
Phonologische Bewusstheit und lautorientiertes Schreiben bei ausgewählten Risikokindern
Präventive Förderung im Eingangsbereich der Schriftsprache

aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 3 2009
von Holger Probst

 

Aus den Einschulungsjahrgängen 2007 und 2008 (Gesamt N = 350) werden mit dem Test PB-LRS ca. 15 % Kinder ausgelesen, die wg. ihrer mangelnden phonologischen Bewusstheit als LRS-Risiko-Schüler gelten müssen. In einem praktischen Projekt Sekundärer Prävention erhalten diese Kinder über 3–4 Monate zusätzliche Förderung in Kleingruppen durch ihre Grundschullehrerinnen. Sie verwenden dazu die Trainingsprogramme Hören lauschen lernen II und die Laut-Buchstaben-Sortiermaschine unter Ziel und Hypothese, dass die Förderung zur Verringerung des schriftsprachlichen Rückstandes führe. Das Design erfasst die Fortschritte geförderter vs. nicht förderbedürftiger Kinder durch Messwiederholung der Abhängigen Variablen Phonologische Bewusstheit und Kompetenz im lautorientierten Schreiben. Nach max. vier Monaten zusätzlicher Förderung (2h/ Woche) nähern sich die Förderkinder in der phonologischen Bewusstheit signifikant ihren Mitschülern an und erreichen deren Vortestniveau. In der Schreibkompetenz machen die Nicht- Förderbedürftigen so rapide Fortschritte, dass die Förderkinder trotz erheblichen Lernzuwachses nicht aufholen. Sie erreichen jedoch im Nachtest eine bessere relative Position in ihrer Klasse(nstufe) als sie eingangs hatten. Die Lernfortschritte der Förderkinder (und auch der nur regulär unterrichteten Schüler) unterschieden sich deutlich nach ihrer Lehrkraft und äußeren Umständen. Die Ergebnisse legen es nahe, an Grundschulen präventive Zyklen von Diagnose-Förderung- Evaluation zu implementieren.

Schlüsselwörter: Prävention von Lernversagen, Training phonologischer Bewusstheit, Risikokinder in der Grundschule, sekundäre Prävention in der Schule

 

Training Phonemic Awareness with First Graders at Risk of Dyslexia.

Out of 350 first graders immediately past the onset of elementary school a sample of children with low phonemic awareness is selected by means of an objective test. These students are considered to be at risk of dyslexia. They are assigned to additional small group training in phonological awareness conducted by their teachers. They apply two standard training programs for a period of up to four months, doing two hours per week. After an introduction into the programs the teachers apply and handle the programs without further external assistance. A post test of all students is conducted after a four months training period retesting phonological awareness and spelling competence by counting grapheme hits on 15 yet unknown words. Concerning phonemic awareness the trained kids significantly approach the non-trained kids´ level, reaching their pretest performance. In spelling skill however the untrained students proceed so rapidly, that in spite of considerable progress the trainees cannot shorten their lag. Only when their z-standardized position is considered, it can be found that they advanced their ranks to a less backward position than they had had in the pretest. While the effect of different trainings had not been assessed it turned out that training groups (with their different teachers) account for about 30 % variance of the training outcome. The project claims to be ecologically valid for the implementation of secondary prevention of learning problems at the onset of elementary school.

Keywords: secondary prevention in elementary school, boosting phonological awareness, prevention of dyslexia

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aktualisiert am 22.08.2009