Heilpädagogische Forschung

 
Methodenforschung zur Befragung von Menschen mit geistiger Behinderung
aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 4 2009
von Markus Schäfers

 

Der weiten Verbreitung des Interviews in der Forschungspraxis der Behindertenpädagogik steht ein Mangel an fundierten methodenkritischen Analysen gegenüber. Im Rahmen einer umfangreichen Befragungsstudie wurde der Frage nachgegangen, inwieweit der Zugang über die direkte Befragung von Menschen mit geistiger Behinderung zu gültigen Einschätzungen ihrer Sichtweisen führen kann und von welchen Faktoren die Datenqualität beeinflusst wird. Eine ergänzende Expertenbefragung sollte Hinweise darauf geben, wie Fachleute die Beantwortbarkeit von Fragen einschätzen und woran sie ihr Urteil ausrichten. Im Ergebnis zeigt sich, dass inhaltliche und formale Fragemerkmale (z. B. abstrakte Begriffe, verschiedene Antwortformate) einen erheblichen Einfluss auf die Antwortergebnisse besitzen, während kein Zusammenhang zwischen Antwortinkonsistenzen und soziodemografischen Merkmalen der Befragten (Geschlecht, Alter, Ausmaß des Hilfebedarfs) festgestellt werden konnte. Experten hingegen konzentrieren sich bei der Einschätzung der Beantwortungsschwierigkeit vor allem auf inhaltliche Gesichtspunkte von Fragen und unterschätzen den Einfluss formaler Aspekte. Die Analyseergebnisse legen nahe, dass die wesentlichen Gründe für methodische Probleme der Befragung von Menschen mit geistiger Behinderung nicht – wie in der Vergangenheit üblich – ausschließlich in der Person des Befragten zu suchen sind, sondern vor allem in der Technik der Befragung.

Schlüsselwörter: Befragung, Fragebogen, Methodenforschung, geistige Behinderung

 

Methodological issues in interviewing people with intellectual disabilities.

In German research practice interviews with people with intellectual disabilities are very common, but there is a lack of studies and reviews that deal with methodological problems. The article presents concepts and results of a study which focuses on the validity of questioning techniques and self-reports of people with intellectual disabilities. In an additional study experts rate the responsiveness of questions used without knowing the results of the inter-views conducted. As a result, many factors have been found that affect responses in survey research with this popu-lation. Specific problems are identified with respect to item content and format (e. g., abstract concepts, response format). There are no significant correlations with respondent variables (e. g., gender, age, level of support requi-rements). Experts judge the responsiveness of questions primarily according to item content and they underestimate the influence of item format. It is argued that rather than concentrating only on respondent variables more attention needs to be paid to questioning techniques and interview variables.

Keywords: interview, questionnaire, methodology research, intellectual disability

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aktualisiert am 04.01.2010