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Eine mehrsprachige Sozialisation stellt keinen zusätzlichen
Risikofaktor bei der Entstehung von Sprach-, Sprech-, Stimm- oder
Schluckstörungen dar. Aber dennoch treten diese Störungen
auch bei mehrsprachigen Kindern auf. Mit der vorliegenden Studie
untersuchten wir demnach, wie viele mehrsprachige Kinder sich aufgrund
welcher Indikationen in sprachtherapeutischer Behandlung befinden
und überprüften, ob hierbei Unterschiede im Vergleich
zu einsprachigen Kindern bestehen. Des Weiteren untersuchten wir
das Kompetenzempfinden der TherapeutInnen in der sprachtherapeutischen
Versorgung mehrsprachiger Kinder sowie mögliche Einflussfaktoren.
Hierzu wurde ein ad-hoc-Fragebogen entwickelt und als Onlineformat
an SprachtherapeutInnen verschickt. Insgesamt können die Ergebnisse
von 230 TherapeutInnen berichtet werden. Diese zeigen, dass mehrsprachige
Kinder im Vergleich zu einsprachigen häufiger in sprachtherapeutischer
Behandlung sind aufgrund einer umschriebenen Sprachentwicklungsstörung
und seltener aufgrund einer Aussprachestörung oder einer Dysphagie.
Die TherapeutInnen erleben sich im Schnitt als eher kompetent in
der Beratung von Eltern mehrsprachiger Kinder sowie in der Therapie
dieser Kinder. In der Diagnostik ist ihr Kompetenzempfinden niedriger
ausgeprägt. Eine eigene mehrsprachige Sozialisation sowie die
eigenständige Auseinandersetzung mit dem Phänomen Mehrsprachigkeit
haben Einfluss auf das Kompetenzempfinden.
Schlüsselwörter: Mehrsprachigkeit, Therapie, Diagnostik,
umschriebene Sprachentwicklungsstörung. |
Bilingual children in speech therapy: Results of a survey.
Learning two languages does not present an additional risk factor
for the development of communication disorders. However, bilingual
children may also be affected by one of these disorders. In this
study we surveyed the proportion and diagnoses of bilingual children
receiving speech therapy in Germany in order to identify differences
in care between monolingual and bilingual children. In addition,
we investigated self efficacy and perceived competence in speech
and language pathologists. An ad hoc questionnaire was delivered
online allocating responses from 230. Results indicate that bilingual
children get more often speech therapy to treat a specific language
impairment compared with monolingual children, but they receive
fewer treatments if they suffer from speech delay or dysphagia.
Speech and language pathologists perceive themselves as being quite
competent in counseling parents of bilingual children and in treating
these children, but they are only partially prepared to assess and
diagnose bilingual children. The perception of competence was mediated
by pathologists’ own bilingual socialization and positive
attitude towards bilingualism.
Keywords:bilingualism, second language acquisition in childhood,
communication disorders, speech therapy, diagnostic, specific language
impairment. |