Heilpädagogische Forschung

 
Die schulische Integration Lernbehinderter in der Schweiz. Pädagogische Kommentierung der Ergebnisse von zwei Forschungsprojekten
aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 1 1991
von Hans Grissemann

In der Schweiz erfolgten 1990 die Publikationen von zwei Forschungsprojekten zur schulischenIntegration Lernbehinderter. Eine Freiburger Forschungsgruppe (U. Haeberlin et al.) legt eine empirische Vergleichsuntersuchung vor, in welcher nachgewiesen wird, daß im kognitiven Leistungsbereich "schulschwacher Schüler" in Regelklassen besser gefördert werden als in Sonderklassen. Besonders zu denken gibt die Tatsache, daß die "still" in Regelklassen Integrierten gleich gut abschnitten wie diejenigen, welche zusätzlich eine sonderpädagogische Förderung erhalten hatten. Keine positiven Effekte brachte die Integration bezüglich sozialer Position und Beliebtheit. Aber die integrierten schulschwachen Schülerverfügten über ein realistischeres Selbstkonzept als die separierten. Eine Zürcher Forschungsgruppe (A. Bächthold et al.) verzichtete auf eine Effizienzuntersuchung und erfaßte die Bedingungskonstellation erfolgreicher Integration in Regelklassen, in welchen schulschwache Schüler noch zusätzlich in Fördergruppen sonderpädagogisch betreutworden waren. Dabei werden verschiedene Kooperationsmerkmale als Erfolgskriterien der Integration dargestellt. Beide Forschungsberichteerwecken vorerst den Anschein, daß sich die schulische Integration Lernbehinderter aufdränge. Eine Analyse und Synthese der beiden Forschungsberichte zeigt aber verschiedene Forschungsdesiderate zur Integrationspädagogik, die insbesondere auch auf Innovationen im Sonderklassenwesen bezogen werden müßten. Es ergeben sich dabei verschiedene Argumente, welche auf die Beachtung gradueller Integration hinweisen, die sich in der Beachtung der Bedürfnisse Behinderter ergibt.

In 1990 two Swiss titles were published on school integration of children with learning disabilities (LD). A research group in Fribourg (Haeberlin et al.) presented an empirical comparative study. The findings suggest that in terms of cognitive performance learning-disabled children can be better supported in regular than in special classes. Especially thought provoking is the fact that children integrated without further assistance perform just as well as children with additional support. However, integrated children with learning disabilities have a more realistic self-image than separated learning-disabled children in special classes. Another research group in Zürich (A. Bächthold et al.) was more concerned with the conditions for successful integration into regular classes than with investigating the general efficiency of integration. The concept, in which learning-disabled children were additionally supported in special education groups, describes and emphasizes various characteristics of cooperation as important criteria for successful integration. At first glance, both reports seem to imply the necessity of school-integration for children with LD. However, the analysis and the following synthesis of the finding show the need for further investigation on the issue of school-integration. More research work is needed in relation to innovative concepts of special education schools. Different arguments are deduced pointing out that gradual integration should be considered in relationship to the needs of the learning-disabled.

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aktualisiert am 30.01.2003