Heilpädagogische Forschung

 
Entwicklungsförderung bei sozial-kognitiver Retardierung
aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 4 1991
von Gerhard W. Lauth

Der Beitrag will das Bedingungsmodell, den Inhalt sowie die Umsetzungserfahrung von Training kognitiver Fertigkeiten in praxisnaher Form wiedergeben. Hierzu werden folgende Aussagen gemacht: Eine kognitive Retardierung wird in einer handlungs- und kognitionstheoretischen Sichtweise auf einen Mangel an metakognitiv-strategischen Vorgehensweisen, auf spezifische inhaltliche Wissensdefizite sowie auf Mißerfolgsverarbeitungen und die mangelnde Verfügbarkeit von Basisfertigkeiten zurückgeführt. Das Training fördert vor allem die Ausbildung von metagkogniv-strategischen Vorgehensweisen. Es bildet handlungsorganisierende Such-, Wahrnehmungs- und Problemlösestrategien sowie die Fähigkeit aus, diese komplexeren Abläufe durch Selbstanweisung zu steuern. Dieses Therapieelement setzt das kognitive Modellieren sowie das Selbstinstruktionstraining (Selbststeuerung des eigenen Handelns über "lautes Denken") ein. Vor allen Dingen aber werden den Kindern allgemeine Problemlösestrategien für das Vorgehen bei unbekannten Aufgaben vermittelt. Diese Inhalte werden durch "Signalkarten" veranschaulicht, wobei diese spezifische Handlungsschritte nahelegen (z.B. Was ist meine Aufgabe? Überprüfen?). Die Therapie findet innerhalb von 8 Sitzungen statt (Lauth, 1988). In jeder Sitzung wird ein didaktische Spiel als Aufgabe benutzt, das unter Beachtung der Signalkarten von den Kindern bearbeitet wird. Diese Spiele besitzen eine ansteigende Schwierigkeit; sie reichen von der Zuordnung identischer Bildpaare über "Geschichten-Legen" bis zur sozialen Konfliktregelung. Jede Problemlösung wird zuerst vom Therapeuten unter konsequentem Einsatz der Signalkarten modellhaft demonstriert. Dann werden die Kinder dazu angeleitet, diese Lösungsweise im eigenen Handeln nachzuvollziehen, um die Aufgaben dann selbständig unter Beachtung der vermittelten Lösungswege zu lösen (u.a. Selbstinstruierung, Problemlösestrategien). Neben den Lösungswegen wird auch der Umgang mit Fehlern und Frustrationen eingeübt.

The learning and problem solving behavior of retarded children is characterized by deficiencies of higher level strategies and inadequate metacognitive mediation (e.g. strategies of memory, executive control); poor ability to generalize due to the lack of cognitive strategies; insufficient specific knowledge; restricted basic skills (e.g. to discriminate visual stimuli) and motivational impairment (e.g. failure orientation). Accordingly the intervention promotes social-cognitive development and teaches mainly metacognitive skills and learning or problem solving strategies. The present article describes a training procedure, which is mediating such strategies and metacognitive skills to retarded (IQ 65 - 85) and learning disturbed children (age 6-10 years). It is based on a cognitive theory of learning problems, using self-instructional training, problem solving strategies, and mediation of transfer. The training concept and it`s realization are deleinated in a practical manner. The results of this training for learning disabled and learning disturbed children are presented.

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aktualisiert am 30.01.2003