Heilpädagogische Forschung

 
Schulen für Erziehungshilfe bzw. Verhaltensgestörte und Schulen für Lernbehinderte in der Bundesrepublik Deutschland: Ein empirischer Vergleich
aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 2 1993
von Ulrike Petermann

Die vorliegende Studie dient einer vergleichenden Bestandsaufnahme der Schulen für Verhaltensgestörte oder Erziehungshilfe und der Schulen für Lernbehinderte in der Bundesrepublik Deutschland. Ziel ist hierbei die Ermittlung von Kriterien für eine Schule für Verhaltensgestörte. Erhebungsinstrument waren zwei miteinander vergleichbare Fragebögen, die Informationen zur strukturellen Kennzeichnung, zur personellen Ausstattung, zur Schülerbetreuung, zur Elternarbeit und zur architektonischen Gestaltung erfassen. Als Stichprobe dienten 114 Schulen für Verhaltensgestörte sowie 102 Schulen für Lernbehinderte aus den alten Ländern der Bundesrepublik Deutschland. Die Ergebnisse zeigen u.a., daß in beiden Schultypen überwiegend Ausschlußkriterien für die Aufnahme in die Sonderschule fehlen, Lern- und Verhaltensstörungen häufig kombiniert auftreten und Ganztagsschulen nur selten existieren. Als Berufsgruppe sind vorwiegend Sonderschullehrer tätig, wobei eine weitergehende Unterstützung der Lehrkräfte häufig fehlt. Feste Regeln und Rituale existieren in beiden Schultypen u.a. im Sinne von Hausaufgabenpflicht, Klassendiensten, festen Klassen- und Sitzplätzen. Elternarbeit wird meistens durchgeführt. Das Schulgebäude beider Schultypen weist nur selten Rückzugsmöglichkeiten oder private Bereiche für ihre Schüler auf. Abschließend wird der Konzeptionsentwurf einer Schule für Verhaltensgestörte vorgestellt.

The present paper describes and compares the current situation in the schools for behavioral disordered students and in those for learning disabled students in Federal Republic of Germany. Assessment is based on two comparable questionnaires, addressing a variety of structural aspects, student and parents counseling, staff features and building design. The sample consists of 114 schools for behaviorally disordered students and of 102 schools for learning disabled students on the territory of the former West-Germany. Results show a.o. that definite criteria for the acceptance, respectively, excluding of students are lacking in both types of schools. Whole day care facilities are rare. Learning disabilities and behavioral disorders are mostly combined in both school types. Mainly, special qualified teachers work with the students, whereas additional qualifying programs are widely missing. Rules and "rituals" exist in form of different obligation (e.g. homework). Parents counseling is almost realized in all institutions. The present building allows no privacy. At last a new conception for schools for behaviorally disordered students is presented.

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aktualisiert am 30.01.2003