| Editorial Nr. 1 1997
von Herbert Goetze
Mit dieser Ausgabe der HEILPäDAGOGISCHEN FORSCHUNG tritt eine Neuerung ein:
Herausgabe, Herstellung und Vertrieb sind vom Wissenschaftsverlag V. Spiess an uns
übergegangen. Als der neue Herausgeber möchte ich mich zunächst der Leserschaft der
HEILPäDAGOGISCHEN FORSCHUNG vorstellen als jemand, der dringend an der Erhaltung, am
Fortbestehen und an der Weiterentwicklung dieser Fachzeitschrift interessiert ist. Ich
werde alles in meiner Macht Stehende dazu tun, daß die Tradition der HEILPäDAGOGISCHEN
FORSCHUNG nicht nur in das nächste Jahrtausend fortgeführt, sondern auch erfolgreich
weiterentwickelt wird.
Zunächst gilt natürlich meinen Vorgängern Hans-Peter Langfeldt, Holger Probst und Franz
Wember hohe Achtung und Anerkennung für jahrelang geleistete Arbeit; es ist ihnen trotz
mannigfacher Widrigkeiten gelungen, den Weg, den einst unser Nestor Helmut von Bracken
gewiesen hat, nämlich eine Fachzeitschrift auf hohem Reflexionsniveau mit einem
deutlichen empirischen Gewicht regelmäßig herauszubringen, weiterzugehen. Mich verbindet
mit zweien meiner Vorgänger eine gemeinsame, prägende Studienzeit am Institut für
Psychologie der Universität Marburg; mit meinem dritten Kollegen habe ich die akademische
Wirkungsstätte, die Universität Dortmund, gemeinsam, an der ich nicht weniger als acht
entscheidende Lehr- und Lernjahre zugebracht habe, bevor mich meine eigene berufliche
Reise über Hamburg und Kiel mit mehreren Umwegen in die USA schließlich an die
Universität Potsdam, meine derzeitige akademische Heimat, geführt hat.
Dank gilt natürlich auch dem bisherigen Verleger, Herrn Volker Spiess, der die
HEILPäDAGOGISCHE FORSCHUNG zunächst vom Marhold-Verlag übernommen und dann
innerhalb der traditionsreichen Edition Marhold über acht Jahre hinweg weitergeführt
hat. Ein hohes wissenschaftliches Niveau auf der einen Seite und eine positive
wirtschaftliche Bilanz auf der anderen Seite scheinen gerade in einer Zeit der
knapper werdenden privaten und öffentlichen Haushaltsmittel nicht leicht in Deckung zu
kommen. Volker Spiess sollte die Fachwelt deshalb zu Dank verpflichtet sein, weil er die
Negativbilanz über lange Zeitstrecken getragen hat, bis der wirtschaftliche Druck
unerträglich wurde und die Zeitschrift von anderer Stelle übernommen werden mußte. Ich
bin Herrn Spiess dankbar für das Vertrauen, das er in uns gesetzt hat, diese so
renommierte Zeitschrift erfolgreich fortzuführen; denn immerhin gab es namhafte
Mitbewerber, denen die Fortführung der HEILPäDAGOGISCHEN FORSCHUNG durch-aus auch
zuzutrauen gewesen ware. Daß die Wahl auf uns an der Universität Potsdam gefallen ist,
mag vielleicht auch als ein positives Zeichen der Ost-West-Integration gesehen werden,
denn in zu vielen Gremien werden noch zu viele Positionen einseitig von westlicher Seite
dominiert. Die Fortführung der HEILPäDAGOGISCHEN FORSCHUNG durch die ostdeutsche Seite
könnte mindestens als Farbtupfer im grauen Alltagsgeschäft des Kampfes gegen
Streichungen und Kürzungen gesehen werden. Auch innerhalb der Universität Potsdam kann
die übernahme der Zeitschrift als wichtiges wissenschaftspolitisches Signal verstanden
werden, nachdem der gegenwärtig tätige Wissenschaftsminister den
mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereichen ,,zielführenden Charakter", also
Priorität beim Ausbau, eingeräumt hat, denen die vitalen Interessen der Geistes- und
Sozialwissenschaften ,,leider" zu opfern sind, da die Kassen nichts mehr hergeben -
so der Minister.
Diejenigen Leserinnen und Leser der HEILPäDAGOGISCHEN FORSCHUNG, die ich anläßlich
dieses Wechsels vielleicht abwartend bis skeptisch zeigen, möchte ich bitten, dem neuen
Team eine Chance einzuräumen; bilden Sie sich ein Urteil über unsere Arbeit, nachdem
eventuelle übergangsprobleme überwunden sind. Wir sind sicher, daß die Qualität
unserer Arbeit auch Sie überzeugen wird.
Die HEILPäDAGOGISCHE FORSCHUNG soll ihren angestammten Platz in der Gesamtheit
deutschsprachiger sonderpädagogischer Fachzeitschriften behalten, wozu der bisher
berufene wissenschaftliche Beirat, der aus den Professoren Borchert, Neukäter und Schuck
besteht - die Mitarbeit der bisherigen Herausgeber ist angefragt -, sein Bestes geben
wird. Das empirische Gewicht soll ebenso erhalten bleiben wie das hohe Reflexionsniveau.
Inhaltlich werden sich vielleicht in den Folgejahren Veränderungen ergeben,
wenn neue methodische Zugänge, Paradigmen, Fragestellungen aufzunehmen sein werden, die
heute bestenfalls in Ansätzen zu erahnen sind. Die HEILPäDAGOGISCHE FORSCHUNG soll
jedoch nie zu einem populärwissenschaftlichen oder ideologisierten Modeblatt
degenerieren, das mehr in Richtung Auflagenhöhe ,,schielt" und dabei das
traditionelle wissenschaftliche Niveau aus dem Blick verliert.
Die HEILPäDAGOGISCHE FORSCHUNG wird sich weiterhin in den Dienst der wissenschaftlichen
Aufarbeitung pädagogischer Fragestellungen im Bereich von Behinderungen stellen und dabei
das grundsätzliche humane Anliegen unserer Wissenschaftsdisziplin zur Geltung bringen,
behinderte Lebenslagen erleichtern zu helfen.
Soweit das papierene Medium dies erlaubt, soll die HEILPäDAGOGISCHE FORSCHUNG auch als
Kommunikationserleichterung zwischen denen dienen, die an der heilpädagogischen
Forschungsfront stehen. Insoweit werden Veränderungen für die Leserschaft vielleicht nur
in Nuancen spürbar werden. Die HEILPäDAGOGISCHE FORSCHUNG publiziert weiterhin
Forschungsarbeiten, kritische Literaturberichte, kleine Beiträge, Buchbesprechungen,
sowie Berichte und Nachrichten - vor allem aus den Hochschulstandorten, und deshalb bitte
ich dringend weiterhin um die Einsendung qualifizierter Manuskripte an die veränderte
Adresse. Um noch mehr Leserinteresse für die HEILPäDAGOGISCHE FORSCHUNG zu wecken, soll
bereits mit diesem Heft eine Neuerung in Kraft treten, die sich besonders an die
Lernenden unter uns richtet: Sie werden eine ,,Hochschuldidaktische Seite" im
hinteren Teil des Heftes vorfinden, die - getrennt für jeden gedruckten Beitrag -
inhaltliche Fragen auf unterschiedlichen Komplexitätsniveaus gemäß der Bloom' schen
Taxonomie anbietet. Mit Hilfe dieser Fragen können Sie sich selbst überprüfen, ob Sie
sich nach der Lektüre eines Beitrages zu einer qualifizierten Beantwortung in der Lage
fühlen. Die Fragekomplexe der ,,Hochschuldidaktischen Seite" könnten
möglicherweise auch noch anderen hochschuldidaktischen Zwecken dienen, wodurch der
Rubriktitel erst seinen eigentlichen Sinn fände.
Wer sich von den Leserinnen und Lesern der HEILPäDAGOGISCHEN FORSCHUNG über diese Zwecke
hinaus noch intensiver mit der ,,Hochschuldidaktischen Seite" beschäftigen möchte,
dem machen wir das Angebot eines Zertifikats, dessen Erfüllungsbedingungen Sie auf der
,,Hochschuldidaktischen Seite" erfahren können.
Ich heiße Sie herzlich ,,willkommen",
Ihr Herbert Goetze
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