Heilpädagogische Forschung

Editorial aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 2 1998
Von Herbert Goetze

 

Das zweite Heft des Jahres 1998 geht Ihnen rechtzeitig, mit interessanten Beiträgen versehen, zur Lektüre zu. Der inhaltliche Bogen ist auch dieses Mal wieder weit gespannt, so daß die Leserschaft der Heilpädagogischen Forschung sich wiederum über die fachwissenschaftliche Diskussion in den unterschiedlichsten Forschungsbereichen der Sonderpädago-gik kundig machen kann. Im Beitrag von Stolz & Julius geht es z.B. um ein Phänomen, das in dieser Zeitschrift bisher nicht behandelt worden ist: dissoziative Symptome von mißbrauchten Mädchen und Jungen. Die beiden Potsdamer Autoren weisen mit ihrer Arbeit nach, daß vergangene Mißbrauchserfahrungen als disso-ziative Symptome fortleben, und interpretieren diese Tendenz als psychische Abwehr des Mißbrauchs durch die Kinder. Dieser Beitrag scheint nicht nur von hohem theoretischen Interesse in der Aufklärung von Folgen für mißbrauchte Kinder zu sein; die praktische Relevanz betrifft v.a. Lehrer in der Erziehungshilfe, deren Klassen bis zu einem Drittel mißbrauchte Kinder aufweisen können, deren Symptomatik für leider allzu lange Zeit unentdeckt bleibt oder falsch diagnostiziert wird. Auch unser zweiter Beitrag betrifft den Erziehungshilfebereich; das österreichische Autorenpaar Gastei-ger-Klicpera und Klicpera hat die inte-grative Beschulung von Kindern mit Verhaltensstörungen relativ aufwendig mit zwei Studien evaluiert und ist zu Ergebnissen gekommen, die zugleich Hoffnungen wecken und in dem Sinne ernüchternd wirken, daß die erfolgreiche sonderpädagogische Betreuung dieser Klientel erheblicher Kraftanstrengungen bedarf, und sollte sie unterbleiben, daß dann die erwünschten Ziele eben nicht erreicht werden, die sich eine gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Verhaltensstörungen setzt. Im Beitrag von Hingst wird analysiert, welche Bedingungsfaktoren zum Erfolg einer Prophylaxe von Lese- und Rechtschreibproblemen geführt haben; auch dieser Beitrag dürfte die theoretische Diskus-sion ebenso bereichern wie Fragen der praktischen Weiterentwicklung solcher Programme aufwerfen.

Der nicht-empirische Beitrag von Vera Moser zu Entwicklungsströmungen der europäischen Heilpädagogik des frühen 20. Jahrhunderts weist an namhaften Werken profilierter Vertreter der Heilpädagogik die Anfänge jener Entwicklungen unserer Disziplin auf, deren Wirkungen heute noch greifbar sind und die unser gegenwärtiges Legitimationsdi-lemma wenigstens teilweise erklärbar machen. Vera Moser läßt die damaligen Autoren ausführlich zu Wort kommen; die in heutiger Sicht teilweise abschreckende Terminologie darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß das Dilemma jeder Heilpädagogik bereits frühzeitig erkannt und in Ansätzen unterschiedlichen Problemlösungen zuzuführen versucht worden ist.

Der „kleine Beitrag" von Manfred Hin-termair hat ein Forschungsprojekt zum Inhalt, in dem das Belastungserleben von Eltern unterschiedlich stark hörgeschädigter Kinder untersucht wird _ ein Aspekt, der u.E. in der fachwissenschaft-lichen Fachdiskussion bisher deutlich vernachlässigt worden ist.

Lassen Sie sich mit Hilfe unserer „Hoch-schuldidaktischen Seite" dazu animieren, sich selbst einen Beleg darüber auszustellen, daß Sie die wesentlichen Inhalte dieses Heftes verstanden und kritisch verarbeitet haben.

Abschließend seien noch zwei Hinweise hinzugefügt:

  • 1. Wer sich zu einem Abonnement der Heilpädagogischenforschung entschließt, dem winken einige überraschungen (z.B. in Form von Gratislieferungen eines Jahrgangs).
  • 2. Um auf dem laufenden zu bleiben, können Sie sich in unsere WWW-Seite „einlinken", und Sie werden rechtzeitig über Erscheinungsweise und Inhalte der folgenden Ausgabe der Heilpädagogischen forschung informiert.

Ihr Herbert Goetze

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aktualisiert am 30.01.2003