Heilpädagogische Forschung

 
Die ersten Stadien der Entwicklung von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 4 1998
Von Christian Klicpera und Barbara Gasteiger-Klicpera

In einer Längsschnittuntersuchung in vier ersten Klassen der Grundschule wurde die Entwicklung des Lesens und Rechtschreibens erstmals nach 10 Unterrichtswochen (Ende Oktober), dann nochmals nach weiteren 7-10 Wochen (um Weihnachten) sowie am Ende der 1.Klasse an 76 Kindern erhoben. Es zeigte sich, daß die zu Beginn schwächsten Schüler sowohl Probleme beim Behalten der im Unterricht vorgestellten Wörter bzw. bei der Aneignung eines Sichtwortschatzes als auch bei der übertragung der gelernten Buchstaben-Laut-Korrespondenzen auf das Lesen neuer Wörter hatten, und daß ihnen zudem die übertragung dieser Kenntnisse auf das Schreiben sehr schwer fiel. Trotzdem zeigten sowohl die Beobachtung ihres Leseverhaltens als auch die Ergebnisse zweier Leselernaufgaben, daß sie bereits in dieser Phase der Lese- und Schreibentwicklung eine alphabetisch orientierte Lesestrategie benutzten. Die Fortschritte in der Anfangsphase des Leseunterrichts erwiesen sich als beträchtlicher Prädiktor des Leistungsstandes am Ende des Schuljahres. In zusätzlichen Analysen wurde zwischen Kindern mit umschriebenen Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten sowie Schwierigkeiten in beiden Bereichen unterschieden, und es konnten Hinweise für die Validität dieser Unterscheidung gewonnen werden. Weiters wurden nach dem Verlauf der Entwicklung Gruppen gebildet, und es konnte gezeigt werden, daß es durchaus Kinder gibt, die ihre anfänglichen Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten überwinden. Diese Kinder stammen jedoch nur selten aus der Gruppe mit den anfangs größten Schwierigkeiten. Schließlich wurde der Vorhersagewert der Anfangsleistungen im Lesen und Rechtschreiben mit jenem der phonologischen Bewußtheit verglichen. First stages in the development of reading and spelling problems. In a longitudinal study of four first grade classes, the development of reading and spelling of 76 children was assessed after 10 weeks of instruction (at the end of October), after an additional 7-10 weeks (around Christmas), and at the end of the first grade. It was shown that children who were initially the weakest achievers had problems in retaining the words presented during instruction (i.e., in acquiring a sight vocabulary) and in applying the already-learned letter/sound correspon-dences to the reading of new words. In addition, they had great difficulty in applying these skills to the writing process. Nevertheless, they did use a letter-oriented reading strategy, as demonstrated by observation of their reading behavior, as well as by their performance on two reading tasks. The degree of achievement at the beginning of reading instruction proved to be an effective predictor of achievement at the end of the school year. In an additional analysis, children with difficulty in either reading or spelling only were differentiated from children with weakness in both areas, and indicators for the validity of this differentiation were gathered. Furthermore, on the basis of reading and spelling development, achievement-based groups were formed, and it was shown that some children could indeed overcome their initial reading and spelling difficulties. Finally, the predictive value of initial achievement in reading and spelling was compared with the prediction based on phonological awareness.
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aktualisiert am 30.01.2003