Heilpädagogische Forschung

Rezensionen Heft 2 Jahrgang 2006

Biermann, A. & Goetze, H. (2005). Sonderpädagogik – Eine Einführung. Stuttgart: Kohlhammer. 302 Seiten. Euro 27,00.

Diese Einführung in das Studium der Sonderpädagogik von Adrienne Biermann und Herbert Goetze ist in mehrfacher Weise bemerkenswert: Das gesamte Spektrum sonderpädagogischer Fragestellungen und von Zielgruppenproblemen wird beschrieben. So findet sich z.B. auch ein lesenswertes Kapitel zur Hochbegabung, ein Problem der Sonderpädagogik also, das anderen Ortes nicht einmal Erwähnung findet, obwohl genuin der Sonderpädagogik zugehörend. Besonders hervorzuheben ist aber auch das Kapitel zur ‚Alternativen Kommunikation‘, einem zukunftsweisenden Gebiet für die Förderung von Menschen mit primären Behinderungen. Hier wird man ebenfalls über Wissensbestände informiert, die sich in so komprimierter Form woanders kaum wieder finden lassen.

Das Buch wird eingeleitet durch ein Vorwort, mit welchem der Anlass für das Schreiben dieses Buches, aber auch ein Überblicksschema, das sich in jedem der folgenden Kapitel wieder findet, niedergelegt sind. Das einleitende Grundlagenkapitel befasst sich mit älteren und neueren Zugängen zur Begriffsbestimmung und stellt insbesondere die neuere ICF-Klassifikation der WHO heraus. Es folgen anschließend Kapitel zur Hörbehinderung, Sehschädigung, Körperbehinderung, Geistig-, Schwerstmehrfach-, Sprachbehinderung, zur Alternativen Kommunikation, zur Lernbehinderung, Hochbegabung und Verhaltensstörung. Ein Ausblick schließt den inhaltlichen Teil ab, gefolgt von einem sorgfältig zusammengestellten Literatur- und Stichwortverzeichnis.

Was zeichnet dieses Buch insgesamt aus? Zunächst die beschriebene klare Gliederung, die es der interessierten Leserschaft möglich macht, interessierende Inhalte schnell aufzufinden, ohne das Gesamtwerk von 300 Textseiten erlesen zu müssen – wozu überdies auch das umfängliche Stichwortverzeichnis verhilft. Inhaltlich geht es in wohltuender Weise um empirisch gesicherte Wissensbestände, die hier angeboten werden. Die beiden Autoren vermeiden es also weitgehend, evidenzbasierte Ebenen zu verlassen. Werden Meinungen in diesem Buch vertreten, gibt es stets einen Rückbezug auf gesichertes Forschungswissen. Formal hat der Verlag layoutbezogen einiges dazu getan, die durchaus anspruchsvollen Inhalte für die Leserschaft einordbar zu machen, indem sich z.B. in jedem Kapitel Leisten finden, die den Fortgang des Lesestudiums visualisieren.

Wenn man kritisieren wollte, würde die Kritik allein formale Gesichtspunkte betreffen. So hätte ein Mehr an Abbildungen dem Buch vielleicht gut getan. Aber auch ein Personenverzeichnis würde manchem Leser helfen, der gezielt nachschlagen möchte.

Insgesamt ist das Buch allen Interessenten zu empfehlen, die auf fundierte, also nicht oberflächliche Weise in sämtliche Arbeitsfelder der Sonderpädagogik eingeführt werden möchten.

Johann Borchert, Kiel

Petermann, F., Döpfner, M. & Schmidt, M. H. (2001). Aggressiv-dissoziale Störungen. Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie Band 3. Göttingen: Hogrefe. 174 Seiten, flexibel gebunden. Euro 22,95.

Das von zwei prominenten deutschsprachigen klinischen Kinderpsychologen und einem Kinderpsychiater gemeinsam verfasste Buch bietet eine gute Übersicht über Diagnostik und Therapie bei externalisierenden bzw. aggressiv-dissozialen Störungen von Kindern. Einleitung werden in einer Literaturübersicht das Wissen die diagnostischen Kriterien, Symptomatik, Ursachen bzw. Einflussfaktoren, Verlauf und Therapie kurz dargestellt. Hier wird zweifellos eine aktuelle und recht umfassende Übersicht geboten. Im zweiten Abschnitt werden konkrete Leitlinien für die Diagnostik bzw. die Maßnahmen zur Verlaufskontrolle und zur Intervention dargestellt. Im dritten Kapitel schließlich werden verschiedene diagnostische Verfahren und Therapie- bzw. Interventionsverfahren knapp dargestellt. Schließlich sind einige Materialien, die in Diagnostik und Therapie eingesetzt werden können, wiedergegeben und es wird manches an einem Fallbeispiel erläutert. Insgesamt ist es sicher ein gut gegliedertes und leserliches Buch, das sich allerdings in erster Linie an klinische Psychologen bzw. Kinderpsychotherapeuten wendet. Obwohl die vielen Beiträge der Autoren in diesem Bereich anzuerkennen sind, sei doch kritisch angemerkt, dass in der Darstellung von Diagnostik und Intervention andere Beiträge als jene der Autoren kaum Beachtung finden (so findet sich kein Hinweis auf die Interventionsmethoden, die von Cierpka ins Deutsche übertragen und erprobt wurden). Auch gibt es zu wenig Hinweise auf Probleme bei der Umsetzung der Interventionen im schulischen Bereich und die – aus verschiedenen Gründen nur begrenzt – erzielbaren Verbesserungen mit den vorgestellten Methoden.
Christian Klicpera, Wien

Sarimski, K. (2001). Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung. Göttingen: Hogrefe. 175 Seiten, flexibel gebunden. Euro 32,95.

Das Buch ist in der von Prof. Petermann herausgegebenen Reihe Klinische Kinderpsychologie erschienen und stellt eine Mischung zwischen Fachbuch, Einführungsdarstellung und Praxisanleitung dar – sicherlich eine für Autoren schwierige Mischung. Die Darstellung weist offensichtliche Stärken auf, aber auch manche Schwächen. Eine Stärke des Buches, die sich auch positiv von anderen, thematisch ähnlichen Büchern unterscheidet, liegt in der Darstellung des Umgangs mit belastenden Verhaltensweisen bzw. Anpassungsproblemen von Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung, hier wird auf viele konkrete Probleme eingegangen (z.B. Schlaf-, Essstörungen) und das Vorgehen bei der Abklärung bzw. Diagnostik sowie Interventionsmöglichkeiten aufgezeigt. Auch die Kapitel über die Förderung von Kommunikation und Sprache sowie über die medizinischen und psychologischen Grundlagen erscheinen informativ, ohne zu ausführlich zu sein. Schwächer ist meiner Ansicht nach das Buch bei der Darstellung von Fördermaßnahmen in Lern- bzw. Gegenstandsbereichen. Dies gilt sowohl für die Vorschul- als auch für die Schulzeit. Die Auseinandersetzung mit der schulischen Integration etwa ist zwar in den Grundzügen positiv, aber doch sehr knapp und nicht sonderlich aussagekräftig. Auch fehlt die Auseinandersetzung mit dem Übergang von der Schule in den Beruf sowie mit der Förderung von Selbstbestimmung und mit speziellen Problemen des Jugendalters (obwohl es sich dem Titel nach auch mit dem Jugendalter auseinander setzen will). Trotzdem stellt das Buch insgesamt eine Bereicherung des Angebots zu dem Thema geistige Behinderung dar.
Christian Klicpera, Wien

Rock, K. (2001). Sonderpädagogische Professionalität unter der Leitidee der Selbstbestimmung. Bad Heilbrunn/Obb.: Julius Klinkhardt. 200 Seiten, flexibel gebunden. Euro 27,70.

Diese als Dissertation an der Fernuniversität Hagen angenommene Monographie setzt sich mit der Entwicklung des Selbstbestimmungskonzepts in Einrichtungen für Erwachsene mit geistiger Behinderung und den Auswirkungen auf das berufliche Selbstverständnis von Betreuern in diesen Einrichtungen auseinander. Einleitend wird recht gut die Entstehung der Selbstbestimmt Leben Bewegung im anglo-amerikanischen Raum, die Übertragung auf Menschen mit geistiger Behinderung und die diesbezügliche Entwicklung in Deutschland dargestellt und es werden die sich aus diesem Konzept ergebenden Beziehungen zu professionellen Mitarbeitern in sozialen Diensten dargestellt. Der empirische Teil umfasste qualitative Analysen von Gruppendiskussionen mit Mitarbeitern in vier Einrichtungen zu dem Thema der Auswirkungen einer stärkeren Betonung der Selbstbestimmung auf die Betreuungsarbeit sowie die Analyse von Gesprächen zu diesem Thema aus einer Gesprächsgruppe mit Erwachsenen mit geistiger Behinderung in einer Werkstatt für Behinderte. Die Autorin versucht zusammenfassend zu zeigen, dass die von ihr herausgearbeiteten Dilemmata für die Betreuer, die aus dem Gegensatz etwa zwischen Autonomie und Leitung bzw. Autonomie und Förderung bestehen, wesentlichen Momenten der pädagogischen Berufsrolle entsprechen und zu einer Neubesinnung auf die berufliche Identität und einer Reflexion der Berufsrolle in der Ausbildung, aber auch in der Supervision führen sollten. Darüber hinaus versucht sie, Richtlinien zu entwickeln, wie die Autonomie der Erwachsenen mit geistiger Behinderung in sozialen Diensten gestärkt werden kann. Die Monographie ist interessant zu lesen und bezieht einen großen Teil der neueren deutschsprachigen Literatur zu dem Thema in die Diskussion mit ein, die neuere englischsprachige Literatur (Wehmeyer, Mithaug etc.) wird allerdings kaum berücksichtigt.
Christian Klicpera, Wien

Silverman, W. K. & Treffers, P. D. A. (Eds.) (2001). Anxiety disorders in children and adolescents: Research, assessment and intervention. Cambridge: Cambridge University Press. 402 Seiten, flexibel gebunden. Pfund Sterling 39,95.

Nachdem in der Vergangenheit die Angststörungen von Kindern relativ wenig Beachtung gefunden hatten, sind sie in den letzten 10–15 Jahren deutlich stärker in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Nach dem von Ollendick, King und Yule (1994) bei Plenum Press herausgegebenen International Handbook of Phobic and Anxiety Disorders in Children and Adolescents bietet dieses Buch neuerlich Gelegenheit sich über den Stand der Forschung und das heutige Wissen zu dieser Gruppe von Störungen zu informieren. Was zunächst auffällt, ist die deutlich andere Gliederung der Darstellung. Während das Handbuch von Ollendick et al. (1994) im Hauptteil eine getrennte Darstellung der verschiedenen Angststörungen enthielt, ist die Darstellung in dem neuen Buch von Silverman und Treffers umfassender angelegt und nach Ein- flussfaktoren bzw. Genesemodellen geordnet. So gibt es etwa ein Kapitel, in dem kognitive Faktoren bzw. Verzerrungen der Informationsverarbeitung bei Angststörungen besprochen werden, eines in dem die mögliche Bedeutung zentralnervöser Hemmungsmechanismen dargestellt wird. Neue Modelle über den Konditionierungsvorgang bei der Entstehung von Angststörungen werden ebenso vorgestellt wie der gegenwärtige Kenntnisstand über genetische Ursachen, aber auch über die Eltern-Kind-Beziehung bzw. die Bindungsbeziehung bei Kindern mit Angststörungen. Auch die Intervention, gegliedert in psychosoziale, pharmakologische und präventive, findet in eigenen Kapiteln ausführlich Beachtung. Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch.
Christian Klicpera, Wien

Schweiker, W. (2001). Deutung und Krisenbegleitung. Eine empirische Interview- und Fragebogenstudie über Eltern von Kindern mit Down-Syndrom: Perspektiven der lebensanschaulichen und religiösen Bewältigung. Frankfurt a.M.: Peter Lang. 419 Seiten, flexibel gebunden. Euro 50,10.

Die im Rahmen einer Dissertation im Fachbereich Sonderpädagogik an Pädagogischen Hochschule Reutlingen/Ludwigsburg entstandene Arbeit setzt sich mit der persönlichen Deutung bzw. Sinngebung der Diagnose „Down-Syndrom” durch die Eltern auseinander und versucht diese Deutung nicht nur im Rahmen der psychologisch-pädagogischen Konzeption des Coping im Rahmen eines ABC-X Modells zu verstehen, sondern auch als Theodizee-Problem im Rahmen einer empirischen Theologie. Dabei ist dem Autor eine Doppelausbildung als evangelischer Theologe und Sonderpädagoge natürlich von Nutzen. Neben einem eher knapp gehaltenen theoretischen Teil werden dabei die Ergebnisse einer Fragebogenuntersuchung, an der etwa hundert Eltern von Kindern mit Down-Syndrom teilgenommen haben, berichtet, wobei hier auch eine größere Anzahl an offenen Fragen enthalten waren, die qualitativ ausgewertet wurden. Zudem wurde ein Teil der Eltern auch mit Hilfe eines halbstrukturierten Interviewleitfadens persönlich befragt. Diese Untersuchungen bestätigen den wiederholt berichteten Befund, dass die Deutung der Tatsache, ein behindertes Kind zu haben, Eltern nicht leicht fällt, und dass sie dabei zu wenig Unterstützung durch ihre Umgebung, vor allem aber auch durch professionelle Helfer erfahren. Im Weiteren versucht der Autor Richtlinien für die Beratung, Begleitung und Unterstützung der Eltern zu entwickeln. Als wesentliche Aufgabe für den Begleiter in dieser Krisensituation wird angesehen, aus der Rolle des Experten zu treten und sich als unterstützende AssistentInnen bei der Reorganisation des Lebens zu verstehen. Der Autor plädiert aufgrund der Bedeutung religiöser Anschauungen bei dem Deutungsprozess für eine stärkere Einbindung von TheologInnen bzw. SeelsorgerInnen, aber auch philosophischer BeraterInnen in die Begleitung und Beratung von Eltern behinderter Kinder.
Christian Klicpera, Wien

Vasey, M. V. & Dadds, M. R. (Eds.) (2001) The developmental psychology of anxiety. Oxford und New York: Oxford University Press. 510 Seiten, fest gebunden. Pfund Sterling 49,50.

Nachdem jahrelang nur sehr wenig Bücher über Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen erschienen sind, ist mit dem von Vasey und Dadds herausgegebenen Buch wieder ein Werk erschienen, das eine sehr gute Übersicht über die an der Entstehung von Angststörungen beteiligten Mechanismen und die wichtigsten Formen von Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen gibt. In der dabei aufgearbeiteten Literatur handelt es sich überwiegend (in manchen Kapiteln nahezu ausschließlich) um Arbeiten aus den 19990er Jahren. Der Hauptteil des Buches ist den Einflüssen auf die Entstehung und Auf- rechterhaltung von Angststörungen gewidmet, wobei in 11 Kapiteln alle aus heutiger Sicht wesentlichen Aspekte detailliert dargestellt werden – von der Genetik über Temperamentseigenschaften, der Kontrolle negativer Emotionen, physiologische (hormonelle) Mechanismen, der Bindungsperspektive und Familienprozessen, Konditionierungsvorgängen bis zu kognitiven Prozessen – und in jeweils einem eigenen Kapitel auch auf Präventionsmöglichkeiten und Therapieansätze eingegangen wird. Ein weiterer größerer Abschnitt geht auf die sechs wichtigen Formen von Angststörungen in eigenen Kapiteln (über spezifische Phobien, die posttraumatische Stressstörung, die soziale Zurückgezogenheit, die Sozialphobie, die Trennungsangst und die generalisierte Angststörung) ein. Eine Stärke des Buches stellt zweifellos der entwicklungspsychologische Ansatz dar, der bei der Klärung der Einflussfaktoren sowohl Untersuchungen an Erwachsenen als auch an Kindern und Jugendlichen mit berücksichtigt, aber immer auch bedenkt, wieweit der Entwicklungstand bzw. der unterschiedliche Kontext mit zu berücksichtigen ist.
Christian Klicpera, Wien

Bloomquist, M. L. & Schnell, S. V. (2002). Helping children with aggression and conduct problems. Best practices for intervention. New York und London: Guilford Press, 418 Seiten, fest gebunden. Pfund Sterling 34,50.

Nach einer guten, zusammenfassenden Darstellung der Risiko- und Einflussfaktoren für die Entstehung von Störungen des Sozialverhaltens ist der Großteil des Buches der Darstellung bewährter Interventionsformen gewidmet, die einerseits in Kind- bzw. familienzentrierte Interventionen, andererseits in Interventionen, die am Kontext, also v.a. an den schulischen Rahmenbedingungen ansetzen, gegliedert werden. Die Darstellungen sind sehr an den Untersuchungsergebnissen von Evaluationsstudien orientiert, die recht gründlich aufgearbeitet werden (das Literaturverzeichnis umfasst mehr als 50 Seiten). Die beiden Autoren dürften sich in ihren Erfahrungen in vielerlei Hinsicht ergänzen, da der Erstautor auch an einem Manual für die Therapie von Kindern mit Störungen des Sozialverhaltens und in mehreren Längsschnittstudien mitgearbeitet hat, der Zweitautor viel Erfahrung in der Arbeit mit Lehrern und Schulen einbringt, was ja ein weiterer Schwerpunkt des Buches darstellt.
Christian Klicpera, Wien

Connor, D. F. (2002). Aggression and antisocial behavior in children and adolescents. New York und London: Guilford Press. 480 Seiten, fest gebunden. Pfund Sterling 38,00.

Das Buch bietet einen Überblick über die Bedeutung aggressiven Verhaltens im Rahmen der psychischen Störungen von Kindern und Jugendlichen und reflektiert sowohl die Fortschritte im Verständnis für verschiedene Formen aggressiven Verhaltens und der dabei zu beobachtenden Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen als auch die Fortschritte im Bemühen um Intervention. Eine Stärke des Buches ist sicher die intensive Auseinandersetzung sowohl mit psychosozialen als auch mit biologischen Einflussfaktoren und der Versuch, ein integratives Modell zu entwickeln. Zudem werden neben den psychosozialen Interventionen auch die Möglichkeiten einer psychopharmakologischen Behandlung vom Autor, der sich als Kinderpsychiater auf die Psychopharmakologie aggressiven Verhaltens spezialisiert hat, ausführlich dargestellt.
Christian Klicpera, Wien

Essau, C. A. (Hrsg.) (2002). Substance abuse and dependence in adolescence. Epidemiology, risk factors and treatment. New York und Hove: Bruner/Routledge. 247 Seiten, flexibel gebunden. Pfund Sterling 18,99.

Das Buch ist in 9 Beiträge, überwiegend aus dem englischsprachigen Raum, gegliedert und bietet einen breiten Überblick über die Klassifikation und die Diagnostik psychischer Störungen bei Drogen- und Alkoholmissbrauch sowie deren Komorbidität. In eigenen Kapiteln wird zudem auf Risikofaktoren, den Verlauf bzw. die Entwicklung des Missbrauchs sowie die Prävention und die psychologische Intervention und die Familienzentrierte Therapie eingegangen. Die Beiträge sind auf dem aktuellen Forschungsstand und setzen sich immer wieder mit der Frage nach der Komorbidität mit weiteren psychischen Störungen und deren Bedeutung für die Entwicklung und Intervention auseinander. Leider gibt es doch eine größere Überlappung des Inhalts der Kapitel, was das Lesen doch redundanter macht.
Christian Klicpera, Wien

Eckert, A. (2002). Eltern behinderter Kinder und Fachleute – Erfahrungen, Bedürfnisse und Chancen. Bad Heilbrunn/Obb.: Julius Klinkhardt. 259 Seiten, flexibel gebunden. Euro 25,50.

Der Autor geht davon aus, dass in der Heilpädagogik in den letzten Jahren ein Wandel in der Orientierung stattgefunden hat, durch den das soziale Umfeld von Kindern mit Behinderungen und die gesamte Lebenssituation im Alltag stärker in das Blickfeld gekommen sind. Er bietet in dieser Monographie zunächst eine recht gute Zusammenfassung der in der Tat deutlich gewachsenen deutschsprachigen Literatur zur Situation von Familien mit behinderten Kindern. Da die Zusammenarbeit Eltern und Fachleute den besonderen Schwerpunkt dieser Arbeit darstellt, wird auch bei der Literaturanalyse besonders auf diesen Aspekt eingegangen. Den zweiten Hauptteil der Monographie stellt der Bericht über eine eigene qualitative Interviewstudie mit fünfzehn Eltern von Kindern und Jugendlichen mit einer autistischen Störung, die sich über einen Aufruf in der Verbandszeitschrift der „Hilfe für das autistische Kind” zu einem Interview bereit erklärt haben, dar. Hier geht es um die bisherigen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit professionellen Helfern. Überwiegend wurden von den Eltern negative Erfahrungen berichtet, wobei die Analyse darauf abzielte, die Anliegen und Bedürfnisse der Eltern aufzuarbeiten und daraus vor allem Konsequenzen für die Beratungstätigkeit und das Angebot an beratenden und unterstützenden Diensten zu ziehen. Es handelt sich bei dieser Arbeit zweifellos um einen anzuerkennenden Beitrag in dem Bemühen um eine stärkere Familienorientierung der Heilpädagogik. Etwas zu wenig berücksichtigt scheint mir allerdings der Aspekt der Selbsthilfeorganisationen von Eltern gerade in Bezug auf die Zusammenarbeit mit Fachleuten. Zu bedauern ist auch die beinahe vollständige Außerachtlassung der anglo-amerikanischen Literatur, die nur über Sekundärquellen zitiert wird. So mutet es eigenartig an, dass etwa die Arbeiten von Ann Turnbull, von Stoneman und von Dunst, um nur einige amerikanische Autoren zu nennen, in einer derartigen Übersichtsdarstellung nicht vorkommen.
Christian Klicpera, Wien

Gosmami, U. (Ed.) (2002). Blackwell handbook of childhood cognitive development. Oxford: Blackwell Publ. ISBN 0631218408 hb, 761 Seiten, fest gebunden. Pfund Sterling 85,00.

Das Handbuch zur kognitiven Entwicklung stellt das zweite der vom Blackwell-Verlag herausgegebenen Handbüchern zur Entwicklungspsychologie dar. Es gliedert sich in zwei Abschnitte, die sich mit den Anfängen der kognitiven Entwicklung befassen, nämlich mit der Säuglingszeit und der frühen Kindheit, einen zentralen Abschnitt, der sich in neun Kapiteln mit verschiedenen Themen der kognitiven Entwicklung der mittleren Kindheit auseinandersetzt (etwa mit der Entwicklung des Lesens und des mathematischen Denkens), sowie einen Abschnitt, der Themen der atypischen kognitiven Entwicklung gewidmet ist (Bedeutung der exekutiven Funktionen, Entwicklung bei Sprachstörungen und bei den autistischen Spektrumstörungen), und einen abschließenden Abschnitt über Modelle der kognitiven Entwicklung. Nicht nur bei den Beiträgen, in denen speziell auf die atypische Entwicklung eingegangen wird, handelt es sich um Themen, die für die Sonderpädagogik von speziellem Interesse sind, auch in vielen weiteren Themen werden Fragen angeschnitten, die für das Verständnis der kognitiven Entwicklung von Kindern, die besondere Unterstützung benötigen von besonderer Bedeutung sind, die gilt für die Ausführungen zur „Theory of Mind” ebenso wie für das „Als-ob”-Spiel und die Entwicklung des moralischen Denkens. Die Beiträge sind durchgehend von international anerkannten Experten geschrieben.
Christian Klicpera, Wien

Henggeler, S. W., Schoenwald, S. K., Rowland, M. D. & Cunningham, P. B. (2002). Serious emotional disturbance in children and adolescents. Multisystemic therapy. New York und London: Guilford Press. 278 Seiten, fest gebunden. Pfund Sterling 26,95.

Die multiple systemische Therapie (MST) wurde Ende der 1970er Jahre für die Behandlung von antisozialem und delinquentem Verhalten bei Jugendlichen entwickelt und hat sich in mehreren Evaluationsstudien als sehr effektiv erwiesen. Dieser Erfolg wird darauf zurückgeführt, dass die MST versucht, in einer sehr individualisierten Form alle negativen Einfluss- bzw. Risikofaktoren zu minimieren, also sowohl solche in der Familie, bei der psychischen Gesundheit der Eltern als auch im Verhalten sowie im schulischen Zurechtkommen der Jugendlichen oder in der Peergruppe. Es versucht dabei, alle Behandlungsansätze zu nutzen, die sich als effektiv erwiesen haben, zeichnet sich dabei aber dadurch aus, dass die Behandlung nicht in einem Zentrum, sondern möglichst vor Ort stattfinden soll und in erster Linie die Eltern gestützt und als therapeutische Mediatoren einbezogen werden sollen. Das vorliegende Buch beschreibt die Anwendung dieses Ansatzes auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit schweren emotionalen Beeinträchtigungen – von depressiven Störungen über Angststörungen bis zu suizidalem Verhalten.
Christian Klicpera, Wien

Kronauer, M. (2002). Exklusion. Die Gefährdung des Sozialen im hoch entwickelten Kapitalismus. Frankfurt a.M.: Campus Verlag. 252 Seiten, flexibel gebunden. Euro 16,40.

Der Monographie liegt die Habilitationsschrift des an der Universität Göttingen lehrenden Sozialwissenschaftlers zugrunde. Er setzt sich darin mit den Ausgrenzungsprozessen auseinander, die im Zusammenhang mit chronischer Arbeitslosigkeit und Verelendung in urbanen Zentren der industrialisierten Welt zu beobachten sind und die mit verschiedenen Begriffen zu fassen versucht wurden. Dabei ist der Begriff der Exklusion auch für die Sonder- und Heilpädagogik aus nahe liegenden Gründen bedeutsam, stellt er doch einen Zusammenhang zwischen Prozessen her, denen wir im pädagogischen Raum entgegenwirken, und gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen.
Christian Klicpera, Wien

Larson, J. & Lochman, J. E. (2002). Helping schoolchildren cope with anger. A cognitive-behavioral intervention. New York und London: Guilford Press. 190 Seiten, fest gebunden. Pfund Sterling 25,00.

Mängel in der kognitiven Analyse sozialer Situationen und die geringe Fähigkeit zur Beherrschung eines aufsteigenden Ärgers sind vielfach als Ursache häufigen aggressiven Verhaltens von Kindern und sozialer Anpassungsschwierigkeiten bezeichnet worden. Das vorliegende Buch von Larson und Lochman stellt ein mehrfach überarbeitetes Programm zur schulischen Intervention bei diesen Schwierigkeiten dar. In den einleitenden Kapiteln werden die Schwierigkeiten aggressiver Kinder und deren Ursachen aus der Sicht sozial-kognitiver Theorien ausführlicher besprochen und das Rational für das vorgestellte Interventionsprogramm, das sich an Kinder zwischen dem Alter von 8–12 Jahren richtet, dargestellt. In den folgenden Kapiteln werden nähere Hinweise für die Durchführung des Programms in der Schule gegeben und die bisherigen zu dem Programm durchgeführten Effektivitätsstudien berichtet. Im Anhang sind konkrete Anweisungen für die Durchführung der Intervention in Gruppenform sowie begleitende Materialien wiedergegeben. Es handelt sich sicher um ein sinnvolles Programm, allerdings wahrscheinlich nicht für Kinder mit sehr schweren Verhaltensstörungen.
Christian Klicpera, Wien

Lewis, V. (2002). Development and disability. 2.Auflage. Oxford: Blackwell Publ. 454 Seiten, flexibel gebunden, Pfund Sterling 19,99, fest gebunden Pfund Sterling 72,95.

Die zweite Auflage dieses Buches, das die Entwicklung zentraler Formen von Behinderung darstellen will, hat den grundlegenden Aufbau der Erstauflage des Buches beibehalten – es wird die Entwicklung wesentlicher Bereiche (der Perzeption, Motorik, Kognition, Kommunikation und Emotionalität) bei Blindheit, Taubheit, motorischer Behinderung, beim Down Syndrom und bei der autistischen Störung dargestellt und besprochen. Der Umfang wurde aber deutlich erweitert und für jede der fünf Behinderungsformen etwa verdoppelt. Zudem wurde die Darstellung grundlegend aktualisiert (so wurde etwa auch der Titel von „Development and Handicap” zu „Development and Disability” geändert), und es wurden in erster Linie die Publikationen der letzten zehn Jahre berücksichtigt. Bei gleichem Aufbau der Darstellung werden doch für jede der fünf Behinderungsformen die für das Verständnis wichtigsten Fragen hervorgehoben, so etwa bei der Entwicklung blinder Kinder die Frage, wie es bei dieser Behinderung zu einer alternativen Entwicklung der Raumvorstellung und zum Objektbegriff kommen kann. Bei allen Behinderungen wird besonders auf die schulische Entwicklung, auf die soziale Entwicklung sowie auf Gefährdungen der psychischen Gesundheit eingegangen.
Christian Klicpera, Wien

Möbius, T. & Klawe, W. (Hrsg.) (2002). AIB – Ambulante Intensive Begleitung. Handbuch für eine innovative Praxis in der Jugendhilfe. Weinheim: Beltz Verlag. 271 Seiten, flexibel gebunden. Euro 25,60.

In dem Buch wird ein Ansatz vorgestellt, der auch in den Niederlanden übernommen und im Rahmen eines Pilotprojekts an die Rahmenbedingungen der deutschen Jugendhilfe angepasst wurde. Es geht dabei darum, Kindern und Jugendlichen mit auffälligem Sozialverhalten zu helfen, die sich aus dem familiären Netz, aber auch aus Institutionen der Jugendhilfe herausgelöst haben. Nach einer anfänglichen Analyse wird ein Plan für jeden Jugendlichen erarbeitet, der v.a. zeigen soll, was an sozialen Anknüpfungspunkten (im Sinne eines individuellen Netzwerks) aktivierbar ist und wer bei welchen Anliegen und Problemen helfen kann. Es wird also stark ressourcenorientiert gearbeitet und auch in der Beratung werden oft systemische Fragetechniken eingesetzt, wobei die AIB generell als eine Form systemischen Arbeitens in der Jugendhilfe gelten kann). Für AIB wird mit den Jugendlichen eine konkrete Vereinbarung getroffen, wobei die Hilfe auf drei Monate beschränkt ist. Das Buch versucht, Anknüpfungspunkt für diese Arbeitsweise in der neueren theoretischen Orientierung der Sozialpädagogik aufzuzeigen (etwa als aufsuchende Arbeit, an der konkreten Lebenswelt ansetzend). Weiterhin werden die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt dargestellt, sowohl was die Realisierung an den verschiedenen Standorten, als auch das methodische Vorgehen betrifft. Schließlich werden abschließend nochmals die Methoden und Instrumente, die bei diesem Ansatz verwendet werden kurz vorgestellt. Das Buch stellt ein aktuelles Arbeitsmodell der Jugendhilfe recht konkret und anschaulich dar, das zweifellos Relevanz für die Arbeit mit einem Teil der verhaltensgestörten (bzw. nach der Diktion des Buches „verhaltensauffälligen”) Kinder und Jugendlichen in der Sonder- und Heilpädagogik hat.
Christian Klicpera, Wien

Ozonoff, S., Dawson, G. & McPartland, J. (2002). A parents guide to Asperger syndrome and high-functioning autism. New York und London: Guilford Press. 278 Seiten, flexibel gebunden. Pfund Sterling 14,50.

Dieser Ratgeber soll Eltern von annähernd normal intelligenten Kindern mit einer autistischen Störung helfen, sich bei den vielfältigen Problemen, mit denen sie im Alltag konfrontiert sind, zurecht zu finden. Die Autoren, mit Erfahrung sowohl in der Forschung als auch in der therapeutischen Arbeit, gehen davon aus, dass diese Störung auch bei normal intelligenten Kindern recht häufig vorkommt, und dass die Förderung dieser Kinder doch große Anforderungen an die Eltern stellt. Ein Anliegen der Autoren besteht in der Beratung in Bezug auf die Therapiemöglichkeiten, die nach den Darstellungen der Autoren in den USA in weitaus größerem Ausmaß verfügbar sind und deren Wahl den Eltern aber doch größere Mühe bereitet. Es ist für die deutschsprachige Diskussion von gewissem Interesse, dass die gestützte Kommunikation in diesem Elternratgeber nur kurz als eine Behandlungsmethode dargestellt, die in den 1990er Jahren recht populär war, aber die in sie gesetzten Hoffnungen in keiner Weise erfüllt hat. Das Buch gibt insgesamt einen guten Überblick über Therapie- und Förderansätze vom Vorschul- über das Schulalter (so wird auch ausführlicher auf die Möglichkeiten der schulischen Integration eingegangen) bis ins Erwachsenenalter, die man Eltern empfehlen könnte, wenn das therapeutische Netzwerk etwas enger geknüpft wäre.
Ein weiteres Anliegen des Buches ist die Unterweisung der Eltern im Gewinnen eines veränderten Zugangs zu den Kindern, bei dem primär von den Stärken der Kinder ausgegangen wird, und in der Gestaltung des Alltags, die der Eigenart der Kinder gerecht wird. Hier ist auch an den vielen Beispielen spürbar, dass die Autoren über eine beträchtliche Erfahrung in der Beratung von Eltern verfügen.
Christian Klicpera, Wien

Pennington, B. F. (2002). The development of psychopathology. Nature and nurture. New York und London: Guilford Press. 380 Seiten, fest gebunden. Pfund Sterling 34,50.

Das Buch bietet einen ausgezeichneten Überblick über die Entstehungsbedingungen der wichtigsten psychischen Störungen des Kindes- und Jugendalters, die in drei Gruppen geteilt werden, Störungen der Motivation (und Emotionen), der Handlungsregulation und der Sprache und kognitiven Entwicklung. Zudem werden in zwei einleitenden Kapiteln sowohl grundsätzliche Fragen der Entwicklungspsychopathologie als auch die wesentlichen methodischen Zugänge zu den biologischen Grundlagen von Entwicklungsstörungen erläutert. V.a. die Ausführungen zur Genetik und zur Neurobiologie und Neuropsychologie, die einen Schwerpunkt auch in der Darstellung der psychischen Störungen bilden, sind recht hilfreich und bieten eine Grundlage für eine intensive Auseinandersetzung mit diesen Ansätzen. Das Buch basiert zu einem Gutteil auf eigenen Forschungsarbeiten und dies bietet eine Gewähr für die kompetente Zusammenfassung und Interpretation weit gestreuter Untersuchungsergebnisse. Zu dem hohen Standard der Interpretation hat wohl auch beigetragen, dass das Buch auch von der Rückmeldung einer größeren Zahl kompetenter Kollegen profitieren konnte (etwa von M. Rutter, D. Cichetti, U. Frith). Schwächen zeigt das Buch allerdings in der Darstellung der Therapie- und Fördermöglichkeiten, die zwar bei allen Störungen kurz erwähnt werden, aber deutlich unter dem Niveau der Beiträge zur Genese der Störungen anzusiedeln sind.
Christian Klicpera, Wien

Pulkkinen, L. & Caspi, A. (Eds.) (2002). Paths to successful development. Personality in the life course. Cambridge: Cambridge University Press. 422 Seiten, flexibel gebunden. Pfund Sterling 18,95.

Der Fokus dieses Buches liegt im Verständnis erfolgreicher Entwicklung und stellt somit ein notwendiges Gegenstück zum Verständnis von Entwicklungsproblemen dar. Die Frage danach, wie erfolgreiche Entwicklung aufgefasst werden kann, wird recht umsichtig in dem einleitenden Kapitel der Herausgeber definiert. Der Hauptteil des Buches nimmt in sechs Abschnitten und 15 Kapiteln zu verschiedenen Aspekten der lebenslangen Entwicklung Stellung, wobei alle Beiträge aus einer durch Längsschnittuntersuchungen geprägten Betrachtungsweise verpflichtet sind. Der erste Abschnitt setzt sich mit dem Einfluss des Temperaments und der Emotionsregulation auf die Entwicklung und damit vor allem mit der Entwicklung im Kindesalter auseinander. Der zweite Abschnitt setzt sich mit der Formung sozialer Beziehungen auseinander (Einfluss der Bindungserfahrungen auf spätere Beziehungen und Einflüsse auf die Auswahl von Freunden), der dritte Abschnitt geht unter dem Stichwort der Kontinuität vor allem auf den Einfluss früherer Verhaltensmuster auf die spätere Entwicklung ein. Im vierten Abschnitt wird vor allem auf kulturelle Einflüsse bzw. den Einfluss historischer Situation (etwa auch der Wiedervereinigung Deutschlands) Bezug genommen, während der fünfte Abschnitt speziell auf Übergänge im Lebenslauf eingeht. Im letzten Abschnitt werden mit der Frage nach der Bedeutung von Lebenszielen vor allem Entwicklungen im Erwachsenen- und im fortgeschrittenen Alter diskutiert.
Christian Klicpera, Wien

Siegel, N. A. (2002). Baustelle Sozialpolitik. Konsolidierung und Rückbau im internationalen Vergleich. Frankfurt a.M.: Campus Verlag. 473 Seiten, flexibel gebunden. Euro 16,40.

Die Monographie über die Entwicklung der Sozialpolitik in den OECD Ländern in den letzten beiden Jahrzehnten setzt sich mit der Frage auseinander, ob diese Entwicklungen tatsächlich eine Art Rücknahme bereits erzielter Fortschritte darstellen oder nur eine abschließende Konsolidierung. Es handelt sich dabei um die überarbeitete Fassung einer Dissertation an der Universität Bremen. Sie setzt sich dabei u.a. mit der Frage auseinander, wieweit die gegenwärtigen Entwicklungen in der Sozialpolitik auch durch die vorangegangene Ausbauphase und die darin konstituierten Institutionen bestimmt werden, sodass es gar nicht so leicht ist, Entwicklungen einfach zurückzunehmen. Neben einer Gesamtanalyse der Entwicklung in den OECD Ländern in der Finanzierung der Sozialpolitik, wobei insbesondere auf die Pensionsleistungen und die Arbeitslosenunterstützung eingegangen wird, enthält die Arbeit in Form von Ländervergleichen Analysen des Gesamtmodells der Sozialpolitik in vier Ländern: Deutschland, Australien, Schweden und die USA. Das Buch ist zweifellos informativ und erhöht das Verständnis für Entwicklungen in der Sozialpolitik, ist aber in seiner Detailfülle nicht leicht zu lesen.
Christian Klicpera, Wien

Smith, P. & Hart, C. (Eds.) (2002). Blackwell handbook of childhood social development. Oxford: Blackwell Publ. 665 Seiten, fest gebunden. Pfund Sterling 85,00.

Der britische Blackwell-Verlag hat vor kurzem begonnen, eine Reihe von Handbüchern zur Entwicklungspsychologie herauszugeben, deren jedes etwa 25–30 Kapitel umfasst. Das Handbuch zur Sozialentwicklung ist das dritte dieser Reihe und ist in zehn Abschnitte gegliedert, die zunächst allgemein die Entwicklung der Forschung in diesem Bereich sowie den Beitrag verschiedener Disziplinen – der Genetik, der Evolutionsperspektive, der Kulturanthropologie und der Soziologe – darstellen. Ein weiterer Abschnitt setzt sich mit allgemeineren Einflussfaktoren (dem Temperament, den Geschlechtsunterschieden, den Institutionen und der Peergruppe im Vergleich mit der Familie) auseinander. Die zentralen Abschnitte sind wichtigen Domänen der Sozialentwicklung gewidmet und beschäftigen sich mit der sozialen Entwicklung im Kontext der Familie und der Gleichaltrigengruppe, weiterhin mit der Entwicklung sozialer Fertigkeiten und sozialer Kognitionen, dem Spiel, dem Helfen und der moralischen Entwicklung, der Kooperation sowie dem Wettbewerb und der Aggression. Ein letzter spezieller Abschnitt ist der sozialen Entwicklung von Kindern mit Behinderungen gewidmet. Das Buch ist auf einem hohen Fachniveau geschrieben, gleichzeitig aber doch recht lesbar. Die Autoren der 30 Kapitel stammen zu etwa gleichen Teilen aus den USA, Großbritannien und den Commonwealth-Ländern, nur wenige aus anderen Ländern.
Christian Klicpera, Wien

Weinert, F. E. (2002) (Hrsg.) Leistungsmessungen in der Schule. (2. unv. Auflage). Weinheim und Basel: Beltz Verlag. 398 Seiten, flexibel gebunden, Euro 20,50.

Dieses binnen Kurzem bereits in 2. unveränderter Auflage erschienene Buch ist Ausdruck des in den letzten Jahren deutlich gestiegenen Interesses an einer Evaluation der Leistungen des Bildungssystems mit Hilfe von größer angelegten Leistungsmessungen an den Schulen. Die bisherigen Erfahrungen mit derartigen Untersuchungen werden für die verschiedenen Schulstufen und Fachbereiche (muttersprachliche, mathematische, naturwissenschaftliche, berufliche Bildung, aber auch im moralisch-wertbildenden Bereich) z.T. durchaus kritisch, aber überwiegend positiv reflektiert, einige wichtige Untersuchungen werden auch detaillierter dargestellt (TIMSS, PISA) und es werden die Konsequenzen etwa für die Professionalität der Lehrer bzw. die pädagogische Arbeit an den Schulen und die sich abzeichnenden Perspektiven diskutiert. Einen relativ großen Stellenwert in diesen Auseinandersetzungen nehmen auch Fragen nach der Testzusammenstellung und Testkonstruktion ein, also danach, wieweit sich die Bildungsziele der Schule für die verschiedenen Bereiche in schriftlich vorgegebene Testaufgaben einbringen lassen. Obwohl in diesem Zusammenhang wiederholt die Frage der Definition von Basiskompetenzen mit angesprochen wird, bleibt die Leistungsentwicklung von lernschwachen bzw. sonderpädagogisch betreuten Schülern unberücksichtigt. Im Stichwortregister findet sich kein einziger derartiger Eintrag und auch bei der Durchsicht vieler Kapitel findet sich kaum eine Bezugnahme, außer der lapidaren Feststellung, dass diese Schüler aus den Leistungsmessungen ausgeschlossen wurden. Das von Prof. Weinert herausgegebene Buch ist zweifellos auch für die Sonderpädagogik relevant, sollte allerdings auch Anlass sein, darüber nachzudenken, wie sich die Sonderpädagogik in diese internationalen (oder auch in nationale) Vergleichsstudien einbringen kann.
Christian Klicpera, Wien

 

Hinweis der Redaktion

In Ausgabe 1/2006 ist von Dr. Joachim Bröcher eine Rezension des Buches von Georg Theunissen (2005) erschienen. Der Buchtitel ist bedauerlicherweise unkorrekt abgedruckt worden, er lautet vollständig: Theunissen, Georg (2005). Kunst und geistige Behinderung. Bildnerische Entwicklung – Ästhetische Erziehung – Kunstunterricht – Kulturarbeit. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt. 205 Seiten, Euro 22,00.


zurück zum Kopf der Seite
aktualisiert am 06.07.2006